Sammlung Historische Straßenbahnwagen
Triebwagen 7 der Woltersdorfer Straßenbahn
Im Laufe des letzten Jahrhunderts regten sich schon öfter fortschrittliche Geister unter den Ingenieuren, die mit
Anregungen für einen deutschen Einheitsstraßenbahnwagen hervortraten. Sowohl Straßenbahner selbst, als auch die
Elektro- und Waggonbauindustrie lieferten ihre Beiträge hierzu. So hatte der Verband deutscher Elektrotechniker
schon vor dem ersten Weltkrieg wertvolle Gemeinschaftsarbeit für die Normung geleistet.
Die Ergebnisse waren zum Beispiel einheitliche Fahrschalter und Fahrmotore. Auch im Waggonbau konnte man eine
Vereinheitlichung beobachten. Im Jahre 1941 war es soweit - das fertige Konzept für den zu bauenden echten
Einheitsstraßenbahnwagen (ESW) lag vor. Jedoch verhinderten die Umstände des 2. Weltkrieges die Verwirklichung
dieses Programmes. Hohes Beförderungsaufkommen, ein veralteter Wagenpark sowie nicht unerhebliche Kriegsverluste
zwangen dennoch zum Bau neuer Straßenbahnwagen. Das Fehlen von Fachleuten und die Materialknappheit vereitelten
den Bau des recht modern entwickelten ESW. Also wurden kurzerhand alle revolutionären Neuerungen, die im ESW
Verwendung finden sollten, aus dem Projekt gestrichen. Dieses nun entstandene Fahrzeug war im Vergleich zu einigen
wesentlich früher gebauten Wagen ein Rückschritt und erhielt zweckmäßigerweise die Bezeichnung
"Kriegstrassenbahnwagen" KSW.
Der Prototyp wurde 1943 bei der Waggonfabrik Uerdingen unter der Fabriknummer 52906 gebaut. Die elektrische
Ausrüstung lieferte die AEG. In Berlin wurde der Wagen unter Großstadtverhältnissen mit der Nummer 6221 erprobt
und kam dann am 08. Juli 1944 nach Woltersdorf. Hier erhielt er die Wagennummer 7, die er bis heute trägt.
In Woltersdorf sollte der Wagenpark aufgrund der stark angestiegenen Fahrgastzahlen eigentlich mit bestellten
Einheitsstraßenbahnwagen erweitert werden. Man musste sich aber mit nur einem KSW begnügen, da weitere Fahrzeuge
nicht nach Woltersdorf ausgeliefert wurden. Der Triebwagen blieb bis zur Übernahme von 6 Beiwagen gleicher Bauart
im Jahre 1968 ein Einzelstück und erhöhte somit die Typenvielfalt des kleinen Verkehrsbetriebes.
Nachdem der TW 7 in Woltersdorf eingetroffen war, wurde er erneut durch Fachleute der AEG erprobt und für den
Betrieb freigegeben. Seinen ersten Einsatz im Personenverkehr hatte der KSW am 17. September 1944.
Bis zur Beschaffung der noch heute eingesetzten Triebwagen vom Typ T 57 ständig im Einsatz, leistete er noch 1996
aufgrund seiner Zuverlässigkeit Reservedienste bei Wagenmangel oder Havarien. Ein Beweis für die Zuverlässigkeit
bietet ein Blick in die Fahrzeugakte des TW 7. Dort steht als Laufleistung die stolze Zahl "1.221.733 km". Der
Wagen Nummer 7 wurde während seiner Einsatzzeit des öfteren modernisiert und dem vorhandenen Wagenpark angeglichen.
So wurde der ockerfarbene Anstrich 1960 durch eine Elfenbeinlackierung ersetzt. Ende der 60er Jahre erfolgte der
Einbau einer 24 Volt Anlage und die Stirnfront wurde verändert. Bei einer Hauptuntersuchung im Jahre 1992 wurde
der Wagen in den Ursprungszustand versetzt. Aufgrund des guten Zustandes hielt sich der Aufwand in Grenzen. An
wesentlichen Arbeiten wurde durchgeführt:
- Entfernung der Stoßstangen und Kletterpufferverkleidungen
- Bau neuer Scheinwerfergehäuse
- Rückbau des 1968 verkleinerten Schilderkasten
- Austausch der Blinkleuchten gegen Winkerlampen
- Entfernung aller Anstriche von den Mahagoniverkleidungen im Innenraum
- Erneuerung aller Fensterhölzer im Perronbereich
- Anbringen der historischen Anschriften innen und außen
| Technische Daten: | |
| Typ: | KSW |
| Hersteller: | Waggonfabrik Uerdingen |
| Baujahr: | 1943 |
| Länge Wagenkasten: | 10.400 mm |
| Breite Wagenkasten: | 2.172 mm |
| Höhe: | 3.274 mm |
| Motorleistung: | 2 × 60 kW |
| Eigenmasse: | 10.400 kg |
| Sitzplätze: | 12 |