Sammlung Historische Berliner Straßenbahnwagen der BVG

Triebwagen 5984 vom Typ T24/49

T24 in der Chausseestraße5984+339 in der Chausseestr; im Hintergrund derU-Bf. Schwartzkopffstraße.
Foto: Lutz Stumpf

Nach ihrer Gründung erteilte die Berliner Straßenbahn- Betriebsgesellschaft mbH zur Erneuerung des überalterten Wagenparks an dreizehn verschiedene Waggonfabriken den Auftrag zur Herstellung von je 500 Trieb- und Beiwagen. Sie wurden 1924 bis 1926 als Bauart 24 ausgeliefert und 1934 als T 24 in die Nummernserie 5701 bis 6200 eingeordnet. Die Beiwagen erhielten die Nummern von 1 bis 500.

1925 wurden nochmals ein Trieb- und 303 Beiwagen (Bauart 25 – T 25/B 25) bestellt.

Die Fahrzeuge wurden bei der Waggon und Maschinenbau AG Görlitz, der Breslauer AG für Eisenbahn- Waggonbau, der Lokomotiv- und Waggonbauanstalt Linke-Hofmann in Breslau u.a. hergestellt. Der Triebwagen 5984 wurde von HAWA geliefert. Die elektrische Ausrüstung lieferten die Firmen AEG, SSW und BBC.

Mit der Konstruktion der Wagen wurde Oberingenieur Kindler beauftragt. Für die Gestaltung der Inneneinrichtung wurde der Direktor der Berliner Kunstgewerbeschule, Professor Paul gewonnen. Es entstand ein robustes und formschönes Fahrzeug, welches mehrere Jahrzehnte das Bild der Berliner Straßenbahn prägte.

Der Wagenkasten ist in gemischter Stahl- Holzkonstruktion ausgeführt. Die Plattformen sind geschlossen. Zum Verschließen der Nichteinstiegsseite werden Umsetztüren und Klappfenster verwendet. Die große Stückzahl bestellter Fahrzeuge erlaubte die Erprobung verschiedener technischer Varianten. So wurden z.B. Versuche mit stärkeren Motoren und Nockenfahrschaltern, veränderten Übersetzungsverhältnissen und einem Kardanantrieb vorgenommen. Dies führte jedoch zu keinen Veränderungen in der Serie.

Durch Kriegsverluste verringerte sich der Bestand an Triebwagen um ca. 100 Fahrzeuge. Mit der Verwaltungstrennung im Jahre 1949 in die BVG (Ost – später BVB) und die BVG (West) setzte auch eine getrennte Weiterentwicklung dieses Fahrzeugtyps ein. Während in Berlin (Ost) alle Fahrzeuge in einem Rekonstruktionsprogramm ihr Aussehen veränderten, blieb der äußere Zustand der Wagen im Westteil unverändert. Durch den Einbau leistungsstärkerer Motore mit 60kW und eine Erhöhung des Treibraddurchmessers auf 760mm konnte ein Triebwagen mit zwei schweren zweiachsigen Beiwagen bzw. vierachsigen Beiwagen BDM gekuppelt werden. Die so umgebauten Fahrzeuge erhielten, wie auch unser 5984, die Bezeichnung T 24/49.

Die 164 in den Ostteil übernommenen Triebwagen wurden im LEW Hennigsdorf bzw. bei LOWA in Berlin- Johannisthal umgebaut, erhielten Nockenfahrschalter, Frischstromschienenbremsen und Fahrersitze. Bei 75 Wagen wurden 1953/54, durch Umbau der Wagenkästen, Schiebetüren eingesetzt. Ab 1959 fanden alle Wagen des Typs T24 als Spenderwagen für den Bau der »Rekowagen« im RAW Schöneweide und in kleiner Stückzahl beim Waggonbau Gotha Verwendung. Ein Fahrzeug dieser Reihe ist der ebenfalls vom DVN betreute Tw 217 055.

Der Triebwagen 5984 war bis 1967 bei der BVG im Einsatz, wurde aber ab 1965 nur noch für Sonderfahrten eingesetzt. Im Anschluss wurde er in den Bestand der Museumssammlung der BVG auf dem Straßenbahnhof Britz übernommen. Nach der Vereinigung der BVG (West) und der BVB (Ost) zur BVG erhielten einige Fahrzeuge der Sammlung auf dem Betriebshof Niederschönhausen eine neue Heimat mit einem nutzbaren Gleisanschluss.

Im Dezember 1994 wurde zwischen den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und dem Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. (DVN) eine Kooperationsvereinbarung über die Aufarbeitung bzw. Hauptuntersuchung des TW 5984 abgeschlossen. Die BVG übernahm durch eigene Werkstätten oder durch Fremdvergabe die Überholung der Motoren, der Radsätze und der Schienenbremsen.

Die Gruppe Straßenbahnen im DVN übernahm im Wesentlichen folgende Aufgaben:

  • Aufarbeitung der Fahrschalter und Widerstände
  • Neubeblechung und teilweiser Austausch von Holzeinbauten
  • Einbau einer Kleinspannungs- Warnblinkanlage
  • Neuverchromung der Griffe im Innenraum
  • Vollständige Neulackierung
  • Einbau einer induktiven Weichensteuerung

Die zur Wiederinbetriebnahme notwendige Aufarbeitung und Hauptuntersuchung erforderte einen Arbeitsaufwand am Fahrzeug von über 2,5 Jahre mit etwa 3500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden des DVN.

Die Fertigstellung des Wagens und die Zulassung durch die Technische Aufsichtsbehörde erfolgte im September 1997. Zusammen mit dem BW 984 wurde der T 24 zum Verkehrshistorischen Wochenende am 27.09.1997 feierlich eingeweiht.

Er wird seitdem durch die BVG und den DVN im Gelegenheitsverkehr (wie den Themenfahrten) eingesetzt. Der TW 5984 kann auch zu besonderen Anlässen gemietet werden.

Technische Daten

  Triebwagen 5984 Beiwagen 339
Fahrzeugnummer: 5984 339
Typ: T 24 / 49 B 24
Baujahr: 1925, Umbau 1950 1925
Hersteller: Hannoversche Waggonfabrik (HAWA) Waggonfabrik Wismar
Motorleistung: 2 × 60 kW
Länge ü. Kupplung: 10.876 mm 10.867 mm
Länge ü. Blech: 10.000 mm 10.000 mm
größte Breite: 2.200 mm 2.200 mm
größte Höhe: 3.973  mm 3.350 mm
Fußbodenhöhe: 810 mm 790 mm
Achsabstand: 2.800 mm 2.800 mm
Eigenmasse: 13.200 kg 7.700 kg
Sitz-/Stehplätze: 24/35 24 /
46 (vorn 16, hinten 15, innen 15)