Sammlung Historische Straßenbahnwagen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)

Triebwagen 3802 (Typ TM 34) im Zustand der 1930er Jahre


© Foto: Holger Schöne

Nach dem Zusammenschluß der Straßenbahnbetriebe auf dem Berliner Stadtgebiet und den umliegenden Gemeinden ab 1920 begann auch die Vereinheitlichung des Wagenparkes. Am 10. September 1923 gründete sich nach dem Ruin der „Berliner Straßenbahn“ und einem straßenbahnlosen Tag in Berlin die „Berliner Straßenbahn-Betriebs-GmbH“. Sie führte die Erneuerung des Fahrzeugbestandes fort und bestellte in den Jahren 1924 bis 1926 eine Serie von 501 Trieb- und 803 Beiwagen mit der späteren Bezeichnung T 24 / B 24 und B 25 . Infolge des weiter steigenden Fahrgastaufkommens wurde 1927 eine weitere Serie über 300 Fahrzeuge in Auftrag gegeben. Die Triebwagen dieser Serie wichen vor allem in der Aufteilung des Fahrgastraumes und der Anordnung der Türen von den herkömmlichen Straßenbahnwagen ab. Schloss sich bisher an beiden Enden des Fahrgastraumes je eine Plattform mit Einstiegen zu jeder Seite an, verfügten diese Fahrzeuge nun über eine Plattform in der Wagenmitte. Durch die Konzentration der Endplattformen auf eine Mittelplattform erhoffte man sich eine Beschleunigung des Fahrgastwechsels und eine bessere Übersicht für den Schaffner bei der Kassierung und Zugabfertigung.

Diese sogenannten Mitteleinstiegswagen erhielten außerdem eine Schützensteuerung, die das Bilden von Straßenbahnzügen aus mehreren Triebwagen erlaubte. Wie schon bei der vorigen Serie wurden mehrere deutsche Waggonbaufirmen mit der Herstellung beauftragt. Den elektrischen Teil lieferte die AEG. Der Wagenkasten wurde durch die Betriebe in Görlitz, Niesky, Düsseldorf, Bautzen, Hannover, Ammendorf, Berlin Spandau und Bremen gebaut.

Bereits 1931 wurden die Fahrzeuge wegen technischer Mängel abgestellt. 1933 konnte ein erstes Los von 56 Wagen der Görlitzer Lieferung mit einer, von der BVG und AEG entwickelten, Starkstromsteuerung für den sogenannten Verbundbetrieb umgerüstet werden. Diese Fahrzeuge erhielten die Typenbezeichnung TM 33.

Um weitere abgestellte Fahrzeuge wieder einsetzen zu können, wurde in die 50 Schützenwagen aus Düsseldorf 1934 eine bewährte Einfachsteuerung mit dem Nockenfahrschalter N IV FB 27 eingebaut. Weiterhin erhielten diese Wagen an beiden Enden eine Schiebetür auf der in Fahrtrichtung rechts liegenden Seite, die auch für den Fahrgastzustieg zugelassen wurde. Mit der Typenbezeichnung TM 34 wurden diese Fahrzeuge mit den Nummern 3801 bis 3850 geführt.

Unter der Bezeichnung TM 36 wurden 1936 auch die in Niesky gefertigten Wagen dieser Serie umgebaut. Sie erhielten ebenso wie die Wagen des Typs TM 33 eine Zweifachsteuerung für den Verbundbetrieb.

Den zweiten Weltkrieg überstanden 44 Wagen des Typs TM 34, die 1949 nach der Verwaltungsreform auf beide BVG-Verwaltungen zu gleichen Stückzahlen aufgeteilt wurden.

Bei späteren Hauptuntersuchungen erhielten die bei der BVG-Ost verbliebenen Fahrzeuge eine geänderte Beleuchtung mit Leuchtstofflampen, sowie andere Fahrschalter und Widerstände. Auch die Fahrmotoren wurden getauscht und verschiedene Typen eingebaut. Ein Teil der Wagen wurde 1964 und 1971 in das sogenannte Reko-Programm einbezogen. Andere Fahrzeuge wurden zu Arbeitswagen umgebaut.

Ende der 1970er Jahre rückten die TM's in das Interesse der Straßenbahnfreunde, da nur noch wenige Fahrzeuge dieses Typs existierten. Überlegungen gingen davon aus, dass neben einem TM 34 auch ein Verbundzug aus den Typen TM 33 und TM 36 erhalten bleiben sollte.

Die Arbeitswagen des ehemaligen Typs TM 34 schieden einer nach dem anderen aus dem Bestand. Zum Schluss erwies sich der Arbeitstriebwagen 721 009 (1971 ex A 9, 1964 ex 3802) als der geeignetste. Von den übriggebliebenen Wagen glich dieser weitgehend noch dem Originalzustand. Aber noch war er nicht gesichert.

Die Absicht des Fernsehens, den Film „Familie Rechlin“ zu drehen (in dem Bezug auf das erste Passierscheinabkommen im Jahre 1964 genommen wird) und neben dem vorhandenen Zug 5274+1707 vom Regisseur eine weitere Straßenbahn gewünscht wurde, fiel die Wahl auf Vorschlag der Straßenbahnfreunde auf eben diesen Arbeitswagen.

Durch Mitglieder der Gruppe Straßenbahn aus der AG 1/11 des Deutschen Modelleisenbahn-Verbandes (später DVN) wurde der Arbeitswagen äußerlich wieder in den Zustand der 1950er Jahre versetzt. Im Innern wurde das Fahrzeug für den Personenverkehr eingerichtet. Durch die BVB-Werkstatt wurde ein fehlender Fahrmotor und neue Blattfedern eingebaut. Im März 1981 wurden dann am Hackeschen Markt Filmaufnahmen mit dem in 3802 umgezeichneten Fahrzeug gemacht.

Im Laufe des Jahres 1981 wurde 3802 noch häufig für den historischen Linienverkehr eingesetzt. Ein Brandschaden Ende 1981 setzte dem weiteren Einsatz aber erst einmal ein Ende.

Im Jahre 1985 begann die Restaurierung des Tw in den Zustand der 1930er bis 1940er Jahre. Bis 1990 wurden folgende wesentliche Arbeiten ausgeführt:

  • Wiederherstellung der historischen Dachaufbauten
  • Reinigung Unterboden, Ersatz beschädigter Holzbohlen, Untersuchung Radsätze
  • Erneuerung schadhafter Holzteile des Wagenkastens
  • teilweise Erneuerung der Außenbeblechung
  • vollständige Erneuerung der Fußbodenroste
  • Vollständiger Ersatz der Kunstledersitze nach dem historischen Vorbild
  • Wiedereinbau der Lüftungsklappen
  • vollständiger Neubau der elektrischen Beleuchtung
  • Lackierung und historische Beschriftung des Wagens

In diesem Zustand wurde der Tw 3802 erstmals auf der Ausstellung „125 Jahre Berliner Straßenbahnen“ auf dem Betriebshof Marzahn präsentiert. Ein Einsatz im historischen Gelegenheitsverkehr war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht möglich, da die Technische Aufsichtsbehörde aufgrund der neuen Gesetzeslage noch einige Forderungen stellte. So erhielt das Fahrzeug eine Warnblinkanlage, die von einer 24V-Batterie auf dem Triebwagen gespeist wird.

Am 6. April 1996 wurde der Tw 3802 wieder für den Gelegenheitsverkehr zugelassen und in den Folgejahren auch für diese Zwecke eingesetzt.

Technische Daten:
Länge: 11.200 mm
Breite: 2.136 mm
Höhe: 3.016 mm
Motorleistung: 2 × 40 kW
Eigenmasse: 13.600 kg
Sitzplätze: 28

Fahrzeugstatus

Restaurierungszustand: im Zustand der 1930er Jahre
Einsatzbereitschaft: fahrfähig und zugelassen