Ähnliche Wagen:

Sammlung Historische Berliner Straßenbahnwagen der BVG

Triebwagen 2990 der
Großen Berliner Straßenbahn

2990 in Woltersdorf Triebwagen 2990 Ende April 2008 in Woltersdorf.
© Foto: Andreas Kubig

2990 in Niederschönhausen Triebwagen 2990 im Mai 2000 auf dem Betriebshof in Niederschönhausen. Diese Aufnahme zeigt den Wagen im Zustand nach seiner Restaurierung aus dem Jahre 1981.
© Foto: Holger Schöne

Nachdem im Jahre 1902 die letzte Pferdebahnlinie in Berlin auf elektrischen Betrieb umgestellt war, entwickelte sich die Straßenbahn zum beliebtesten Verkehrsmittel der Stadt.

Die Beförderungsleistungen stiegen derart an, dass die Kapazität der eingesetzten Fahrzeuge nicht mehr ausreichte. Die eingesetzten Triebwagen, überwiegend die zweiachsigen Berolina-Wagen, besaßen einen Achsstand von nur 1.750 mm die Wagenkästen waren aber fast 9.000 mm lang. Der daraus resultierende starke Überhang der Plattformen verursachte einen sehr unruhigen Lauf. Zweiachsige Wagen mit größerem Achsstand und Wagenkasten konnten aufgrund der vielen sehr engen Kurven aus der Pferdebahnzeit nicht beschafft werden. Die neben den Berolina-Wagen vorhandenen vierachsigen Wagen vom Typ Brandenburg konnten auch nicht so recht befriedigen. Die neuen Wagen, die dann ab 1901 in Dienst gestellt wurden, waren 11.000 mm lang, besaßen 2 Drehgestelle der Bauart Maximum und erhielten eine komfortable Innenausstattung (gepolsterte Quersitze statt Holzlattenlängsbänke). Die beiden Drehgestelle waren so angeordnet, dass 2/3 des Wagengewichtes auf dem Triebradsatz und 1/3 auf dem Laufradsatz verteilt waren. Hierdurch erreichte man eine günstige Haftreibung zwischen Rad und Schiene, auch vergrößerte sich der Einbauraum der Fahrmotoren. Der nicht angetriebene Radsatz, der wesentlich kleinere Räder besaß, hatte die Aufgabe das Drehgestell in den Kurven zu lenken.

Bis 1904 wurden an die „Große Berliner Straßenbahn“ und an die „Westliche Berliner Vorortbahn“ insgesamt 227 Wagen ausgeliefert.

Im Jahre 1906 fertigte die Hauptwerkstatt der Großen Berliner Straßenbahn einen Probewagen mit den gleichen Abmessungen, aber mit wesentlichen Verbesserungen – sowohl optisch als auch technisch.

Nach umfangreichen Erprobungen wurde dieser Wagentyp bei mehreren deutschen Waggonbaufabriken in Auftrag gegeben und bis 1913 in einer Stückzahl von 365 Wagen ausgeliefert. In Berlin erhielten sie die Typen­bezeichnung „Wechselwagen 30 o“ Als 1920 die Stadt Groß-Berlin durch Eingemeindung der Vororte entstand, wurde auch ein einheitlicher Straßenbahnbetrieb, die „Berliner Straßenbahn“ gegründet.

Dieses Unternehmen begann nun, den veralteten Wagenpark zu modernisieren. Von den 365 vorhandenen Wechselwagen 30 o wurden 108 Wagen umfangreich erneuert und mit geschlossenen Plattformen versehen. Die neue Typen­bezeichnung war nun Maximum 30 g, ab 1934 TD 07/25. Da sich diese Arbeiten sehr aufwändig und teuer gestalteten, fuhren die restlichen 257 Fahrzeuge elektrisch verbessert, aber optisch unverändert weiter. Nach und nach wurden die schlechtesten Wagen ausgesondert, die letzten nach der Olympiade 1936.

Nachdem eine am 27. Januar 1944 in Woltersdorf abgeworfene Luftmine den größten Teil des Wagenparks beschädigte, wurde aus Berlin ein Wagen vom Typ TD 07/25 mit der Wagennummer 5282 leihweise übernommen, um den Straßenbahnbetrieb überhaupt aufrecht erhalten zu können.

Den Zweiten Weltkrieg überstanden 79 Wagen, die durch die Spaltung der 1929 gegründeten BVG 1949 in Ost und West aufgeteilt wurden. Die 48 Wagen, die bei der BVG-West verblieben, wurden ausnahmslos bis 1955 verschrottet. Die 31 Wagen der BVG-Ost wurden mehrfach umgebaut. Einige dienten als Spender­wagen für das Reko-Programm, der Rest wurde bis Ende 1969 ausgemustert und bis auf drei Wagen verschrottet. Diese Wagen übergab man der 1967 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Kleinbahnfreunde“ später „ Arbeitsgemeinschaft Verkehrs­geschichte“ mit der Maßgabe, dass die Wagen vom Gleisnetz der BVG zu entfernen sind.

Die Woltersdorfer Straßenbahn bot den Wagen Asyl, aus Platzmangel aber leider nur auf der Freifläche des Betriebshofes. Hier waren die Wagen dem Vandalismus und den Witterungsunbilden schutzlos ausgesetzt. Mit Hilfe der Wagen­werkstatt in Woltersdorf gelang es, den Wagen 5274 wieder fahrbereit und ansehnlich herzurichten. Zum 60jährigen Betriebsjubiläum konnte der Wagen, im Umbauzustand der BVG-Ost von 1951, im Sonderverkehr eingesetzt werden.

Ab 1974 wurden die in Woltersdorf abgestellten Fahrzeuge nach und nach wieder nach Berlin zurückgeführt und konnten dort restauriert werden. Es waren dies die Wagen 5256 und 5279. Letzterer, zurückversetzt in den Liefer­zustand von 1910 als Wagen 2990, konnte 1981 in Betrieb genommen werden. Den ungezählten Einsätzen folgte 1990 die Abstellung, da veränderte Forderungen der Aufsichtsbehörden zu beachten waren.

Im Jahre 2005 entstand die Idee, zum 95. Betriebsjubiläum der Woltersdorfer Straßenbahn ein Gastfahrzeug zu präsentieren. Die Wahl fiel auf den Trieb­wagen 2990. Warum? Wie oben angeführt, war 1944 der Wagen 5282 im ersten Umbauzustand von 1925 in Woltersdorf unterwegs. Im Jahre 1973 war es dann Triebwagen 5274 im zweiten Umbauzustand von 1951. Fehlt also ein Vertreter dieser formschönen Bauart im Lieferzustand.

Am 18. September 2006 traf 2990 per Tieflader in Woltersdorf ein, nachdem er zuvor noch beim Mitarbeiterfest der BVG in der ehemaligen Hauptwerkstatt Uferstraße als Blickfang diente. Sogleich begann der Tischler Andreas Kubig in jeder freien Stunde, den Wagen zu zerlegen und mit einem komplett neuen Wagenkasten zu versehen. Zur Seite standen ihm dabei der Werkstatt­obermeister Uwe Eckart und Revisionsschlosser Marcel Drews sowie, von Zeit zu Zeit, der Schlosser Detlef Freitag.

Vom eigentlichen Betreuer dieses Wagens, dem DVN, der auch einen Großteil der Kosten dieser Aufarbeitung getragen hat, opferten die Mitglieder Joachim Kubig, Günter Grosche, Henry Wille, Bruno Kutz und Uwe Engel unzählige Freizeitstunden, um zum Gelingen dieses Werkes beizutragen. Auch die Geschäftsführerin der Woltersdorfer Straßenbahn GmbH, Monika Viktor, legte mit Hand an. Die Fahrschalter wurden auf dem Straßenbahnhof Niederschönhausen durch Lutz Stumpf aufgearbeitet.

6000 Stunden waren nötig, um den Wagen wieder in den Lieferzustand zu versetzen. Insgesamt betrachtet, war diese Arbeit eine enorme Herausforderung, ist doch innerhalb von 18 Monaten in ehrenamtlicher Arbeit ein nahezu neuer Wagen entstanden. Am 6. April 2008 wurden in der Betriebsruhe die ersten Probefahrten und die Bremsproben durchgeführt. Alles erfolgte ohne Störung und zur größten Zufriedenheit der beteiligten Betriebs- und Vereinskollegen. Die Inbetriebnahme und die ersten Einsätze im Personenverkehr fanden am 2. Mai 2008 statt. Der Wagen wird in der nächsten Zeit bei der Woltersdorfer Straßenbahn für Sonderfahrten zur Verfügung stehen.

Technische Daten:
Länge Wagenkasten: Tw 2990: 11.000 mm
Tw 5256: 11.400 mm
Tw 5274:11.400 mm
Breite Wagenkasten: 2.100 mm
Höhe: 3.450 mm
Motorleistung: 2 × 45 kW
Eigenmasse: 14.000 kg
Sitzplätze: Tw 2990: 30
Tw 5256: 30
Tw 5274: 28