Sammlung Historische Berliner Straßenbahnwagen der BVG

Beiwagen 984 (Typ B 06/27 (52)) im Zustand der 1950er Jahre

Bw 984 hinter T24 5984 beim Einrücken in Köpenick nach einer ThemenfahrtNach einer Themenfahrt rückt der Beiwagen mit T24 5984 in den Betriebshof Köpenick ein.
© Foto: Stephan Mertens

Die Große Berliner Straßenbahn (GBS) besaß zwischen ihrer Gründung im Jahre 1871 und ihrem Verkauf an den Zweckverband Großberlin im Jahre 1919 praktisch das Beförderungsmonopol im städtischen Nahverkehr von Berlin in den Grenzen bis 1920. Nach Abschluss der Elektrifizierungsarbeiten des Netzes der Pferdeeisenbahnen im Jahre 1902 beschaffte die GBS neben Triebwagen auch Serien von Beiwagen für den elektrischen Betrieb.

Als 3. große Serie wurden von ihr zwischen 1905 und 1912 174 zweiachsige Beiwagen mit der Bezeichnung „Großer Winter Sommer Wagen“ in Betrieb gestellt. Die ersten 40 Wagen konnten durch Herausnahme der Seitenfenster in den Sommermonaten als damals übliche Sommerwagen eingesetzt werden. In der kalten Jahreszeit wurden die Fenster wieder eingesetzt, was zur Folge hatte, dass diese Wagen zweimal im Jahr zwecks Umbau dem Verkehrseinsatz entzogen werden mussten. Bei den später gebauten Wagen wurden die Fenster in Holzrahmen eingesetzt und konnten durch Absenken in die Wagenwand ohne großen Aufwand geöffnet und geschlossen werden. Die Plattformen waren offen.

Der Beiwagen 984 hatte bei der GBS die Nummer 689 und stammte aus der Serie 676 - 717. Im Jahre 1920 wurden alle 174 Wagen von der Berliner Straßenbahn (BST) übernommen, die nach Bildung der Einheitsgemeinde vorhandenen Straßenbahnbetriebe vereinigte. Den Wagen wurde die Nummernreihe 914 – 1087 zugeordnet. Unser Beiwagen erhielt die noch heute gültige Nummer 984.

Die bis Mitte der 20er Jahre noch offenen Plattformen wurden 1927 bei allen Wagen geschlossen und die Nichteinstiegsseite wurde mit Klappfenstern und Umsetztüren verschlossen. Dabei wurde auch die Plattform verlängert. Dieser Wagentyp erhielt im Jahr 1934 bei der BVG die Bezeichnung B 06/27 (B = Beiwagen, 06  = Bauart, 27 = Umbaujahr).

Die Zerstörungen während des zweiten Weltkrieges überstanden 80 Wagen. Im Jahre 1949 verblieben nach der Verwaltungstrennung der BVG 56 Fahrzeuge bei der BVG-West und wurden bis 1951 ausgemustert und verschrottet.

Die bei der BVG-Ost verblieben 21 Wagen baute man zwischen 1950 und 1952 nochmals um. Das Oberlichtdach wurde entfernt und die Lüftungsklappen wurden in den oberen Teil der Seitenfenster integriert. Bei diesem Umbau wurde auch die Beleuchtung im Wageninneren auf Leuchtstofflampen umgerüstet. Die Plattformen und die Schlussleuchte im Wagen wurden weiterhin mit Glühlampen bestückt. Der Achsstand wurde von 2.600 mm auf 3.000 mm vergrößert.

Bei einer fälligen Hauptuntersuchung erhielten im Jahre 1958 noch 10 Wagen für den OS-Betrieb Schiebetüren an den Plattformen.

Weiterleben als Historisches Fahrzeug

Im Jahre 1969 wurden die Beiwagen 958, 984 und 1032 der Gruppe Straßenbahnen (damals der Arbeitsgemeinschaft 1/11 Verkehrsgeschichte des Deutschen Modelleisenbahn-Verbandes; heute des Denkmalpflege-Vereins Nahverkehr e.V.) zur Restaurierung überantwortet.

Das Konzept sieht die Erhaltung der Fahrzeuge in den markantesten Erscheinungszuständen vor und dokumentiert so die 90-jährige Geschichte eines zweiachsigen Straßenbahnwagens.

Erhaltungskonzept der Beiwagen vom Typ B 06/27

Fahrzeug Verkehrsgesellschaft Inbetriebnahme
Bw 808 Große Berliner Straßenbahn 7. Mai 1987
Bw 958 Berliner Verkehrs-Aktiengesellschaft 12. Dezember 1976
Bw 984 Berliner Verkehrsbetriebe (BVG-Ost) 6. April 1996

Die Arbeiten am Beiwagen 984 begannen 1987 und wurden im Frühjahr 1996 abgeschlossen. Insgesamt wurden 6.000 Freizeitstunden für die Restaurierung von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Straßenbahn investiert.

Die Arbeiten entsprachen dem Umfang einer Hauptuntersuchung und beinhalten unter anderem:

  • Reinigung des Unterbodens und Ersatz beschädigter Holzbohlen
  • Erneuerung der Außenbeblechung
  • vollständige Erneuerung der Holzsitze, Klappfenster, Umsetztüren und Fußbodenroste
  • Neuaufbau der elektrischen Beleuchtung
  • Untersuchung der Radsätze, des Bremssolenoiden und der Handbremsgesstänge
  • Lackierung und historische Beschriftung

Für den Gelegenheitsverkehr hat das Fahrzeug eine von der Technischen Aufsichtsbehörde geforderte Warnblinkanlage erhalten, die von einer 24V-Batterie auf dem Triebwagen gespeist wird.

Technische Zeichnung

Bw 984 hinter T24 5984 beim Einrücken in Köpenick nach einer Themenfahrt