Kriegseinheitsobus Normgröße II
(ex Wilhelmshaven Nr. 76)

Kriegseinheitsobus am Fundort in Norddeutschland

Der ehemalige Wilhelmshavener Nr. 76 hier im Jahre 2003 an seinem Fundort im Norden Deutschlands.

© Foto: Mattis Schindler

Ab Mitte der 1930er Jahre erkannte man auch in Deutschland den Obus als Alternative zu veralteten Straßenbahnen und zur Ergänzung dieser auf schwächer frequentierten bzw. steigungsreichen Strecken. Um den nun steigenden Fahrzeugbedarf schneller decken zu können, wurde in Abstimmung mit der Industrie die Typenvielfalt auf drei Normgrößen eingeschränkt, die Elektroausrüstungen der drei Anbieter (AEG, BBC und Siemens) wurden standardisiert und damit austauschbar gestaltet.

Mit Entfesselung des 2. Weltkriegs erhöhten sich die Transportbedürfnisse besonders zu militärischen und medizinischen Einrichtungen sowie zu Industriebetrieben. Damit wuchs auch schnell die Bedeutung des mit „Heimstoffen“ betreibbaren Obusses.

Der Bedarf für die Jahre 1941-44 stieg durch die Einrichtung neuer Linien nochmals drastisch an und so vereinfachte man die Fahrzeuge – ähnlich wie bei der Straßenbahn (KSW) – sehr stark. So entstand der durch seine besonders kantige Form bekannte „Kriegseinheitsobus“ (KEO) aus einfachen Walz- oder Abkantstahlprofilen, teilweise Pressspanplatten statt der Außenbeblechung und Holzlattensitzen sowie seinem sehr hohem Fassungsvermögen.

KEO Normgröße II – Hier ein Vertreter aus Ulm.

© Foto: Sammlung DVN

Es entstanden 53 kleine Wagen der Normgröße I auf MAN- und Henschel-Fahrgestellen und 220 große Wagen der Normgröße II auf Henschel Fahrgestellen – vorrangig mit Aufbauten von Schuhmann und Kässbohrer. Zwischen 1942 und 1952 erhielten 44 deutsche Obusbetriebe diese markanten Kriegseinheitsobusse.

Eberswalde erhielt vier Wagen der Normgröße I, die ursprünglich für Leoben bestimmt waren, aber 1944 vor den Luftangriffen auf Siemens in Berlin in Sicherheit gebracht wurden. Erst nach dem Krieg – ab Ende 1945 – konnten die unvollständig gelieferten Wagen in Betrieb genommen und bewältigten unter unvorstellbaren Bedingungen den Verkehr. Wie auch in anderen Betrieben erhielten die Wagen in den 1950er Jahren kleine Modernisierungen. In den in den 1960er Jahren musterte man sie aus.

Im Westteil Deutschlands baute man auf einigen Fahrgestellen noch neue 1½-Decker- und Gelenk-Obuskarossen auf. Somit blieb kein Kriegseinheitsobus der Nachwelt museal erhalten. Mit dem im Krieg entwickelten Henschel-Fahrgestell „II-6500“ (Normgröße II) wurden bis 1956 insgesamt 518 Obusse ausgerüstet und somit ist es das meistgebaute Obusfahrgestell in Deutschland.

Im April 2003 – die Sensation! Was keiner geglaubt hätte: Zufällig wurde eine zum Verkauf stehende „Gartenlaube“ des Typs der Normgröße II im Internet entdeckt! Er blieb ohne Umbauten mit seiner charakteristischen doppelt-bereiften Vorderachse erhalten. Seit 40 Jahren stand er in einem Garten auf der Halbinsel Budjadingen an der Nordsee. Zuvor war er bis 1960 bei den Stadtwerken Wilhelmshaven mit der Wagennummer 76 im Einsatz und entstand 1948 bei Kässbohrer in Ulm auf Henschel-Fahrgestell und Siemens-Elektroausrüstung.

Der DVN kaufte dieses unwiederbringliche Unikat, entrümpelte ihn, machte ihn wieder rollfähig und ließ ihn mit einem Tieflader am 01./02. Juni 2003 nach Eberswalde bringen. Nach Abschluss von anderen Instandsetzungen ist geplant, den Wagen wieder fahrfähig aufzubauen. Damit kann diese einst weit verbreitete Fahrzeuggeneration der Nachwelt erhalten werden.

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Technische Daten:

Eberswalde
Serie 2 - 5
Normgröße I
Wilhelmshaven 76
Normgröße II
Länge: 8.950 mm 10.100 mm
Breite: 2.308 mm 2.500 mm
Höhe (ohne Stangen): 2.640 mm 2.780 mm
Leermasse: unbekannt unbekannt
zulässige Gesamtmasse: unbekannt 14.030 kg
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h 50 km/h
Stunden-/Dauerleistung: 2×50/42,5 kW (550 V) 2×50/42,5 kW (550 V)
Sitz-/Stehplätze: 22/20 30/50

Fahrzeugskizze (Zustand in Wilhelmshaven)