NAG D2 Wagen 750

NAG Unter den Linden Der Wagen 750 vom Typ NAG D2 auf der Straße „Unter den Linden“. Zwischenzeitlich wechselte die Werbung jedoch von Persil zu Chlorodont.
© Foto: Frank Priebe

Geschichtlicher Rückblick NAG D2

Schon zu Zeiten, als der Ottomotor erst erfunden werden musste und Pferde die Omnibusse zogen, fanden auf dem Dach der Wagen Fahrgäste einen Sitzplatz, und man nannte diese Fahrzeugart „Decksitz- Omnibus“. 1925 wurden dann die Decksitze überdacht und so entstand der „Doppeldecker- Omnibus“, wie wir ihn bis heute kennen. In Anlehnung an den Kutschenbau wurden bis Mitte der 1930er Jahre die Aufbauten als Holzgerippe gefertigt und mit Blech beplankt.

Von 1925- 1928 wurden von der Allgemeinen Berliner Omnibus- Aktien- Gesellschaft (ABOAG ) und deren Hauptlieferanten, der Nationalen Automobil Gesellschaft (NAG) und der Heinrich Büssing AG, 343 zweiachsige Doppeldeck-Omnibusse entwickelt, gebaut und zum Einsatz gebracht. Alle Fahrzeuge hatten Vollgummi-Bereifung.

Die größte Serie waren 175 Wagen des 1927/28 gebauten Type NAG D 2.

Es kamen Vergaser-Motoren vom Typ Protos Z 120 und Z 135 und Maybach OS 5 mit Leistungen zwischen 44 und 70 PS zum Einbau. Zwei Firmen (die Wagenbauwerke, eine Tochter der ABOAG und Orenstein & Koppel) bauten die Karossen in Kleinserien, wodurch sich leichte bauliche Abweichungen ergaben. Die ABOAG und später BVG orderte diese Fahrzeuge unter den Betriebsnummern 700- 799 und 900- 974 ein. Bis April 1935 wurden die Wagen dieser Serie komplett sowie einige ältere Omnibusse auf Luftreifen umgerüstet, da die neue Reichsstraßen-Verkehrsordnung danach keine Vollgummireifen mehr zuließ.

Wie schon seit Beginn des Jahrhunderts trugen die großen Außenflächen dieser Wagen bis Ende des zweiten Weltkrieges Werbung für die unterschiedlichsten Produkte. Danach war diese Art der Werbung zunächst von den Besatzungsmächten verboten worden und kehrte in vollem Umfang erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wieder zurück, allerdings nicht mehr an den NAG- Wagen, da sich das Ende Ihrer Einsatzzeit bereits abzeichnete.

Lebenslauf des NAG D2 mit der Wagennummer 750

Der Bus NAG D2 mit der Wagen- Nr. 750 wurde 1927 in Dienst gestellt. In den 1930er Jahren wurde er im Zuge der Umrüstung auf Gasbetrieb gleichfalls mit umgebaut und erhielt hierbei die Umbauvariante mit am Fahrzeugrahmen angebauten Druckgasflaschen. In den Wirren des Krieges verlief sich die Geschichte des Wagens.

Erst Ende der 1940er Jahre wurde er wieder im Liniendienst gesehen. Es kann angenommen werden, daß die Kriegsjahre nicht spurlos am Fahrzeug vorbei gingen, da bei späteren Restaurierung umfangreiche Reparaturspuren am Wagenkasten zutage traten.

Nach Teilung der BVG in zwei Teilbetriebe (BVG/BVB) verblieb der Wagen 750 im Stadtbezirk Weißensee auf dem Betriebshof Puccinistraße und versah von dort seinen täglichen Liniendienst. 1954 wurde die Dienstzeit dieses Fahrzeugs durch eine Aufarbeitung für weitere Jahre verlängert. Die Rekonstruktion erfolgte im OLW Treptow. Dort erhielt er einen Einheitsmotor vom Typ EMaW 6-20. Das 3-Gang Getriebe mit Hinterachsantieb und die 12 Volt E-Anlage wurden beibehalten. Ob sich in diesem Zusammenhang die Bestuhlung im Unterdeck veränderte, ist unbekannt.

Nachdem in den folgenden Jahren genügend Neubauten vom Typ DO 56 im Verkehr waren, wurde dieser Wagen 1958 nach nunmehr 30 Dienstjahren aus dem Liniendienst genommen und durch persönliche Initiativen von Mitarbeitern auf dessen langjährigen Heimathof Puccinistraße abgestellt. Bis 1966 verblieb dieser Wagen in Rechtsträgerschaft der BVB, um ihn dann an die DEFA zu verkaufen. Dort wurde von der Requisitenabteilung das komplette Oberdeck abgebaut, um den Bus in einen Dokumentar- bzw. Geschichtsfilm einzusetzen. Nach Ende der Dreharbeiten wurde der Wagen im genannten Zustand im Freien auf einem DEFA Gelände abgestellt und mit einer Plane notdürftig abgedeckt.

Mit der Entscheidung, das Fahrzeug als bedeutendes historisches Exponat weiter zu erhalten, übernahm das Märkische Museum Berlin im Januar 1983 die Rechtsträgerschaft und ließ den Bus in den Jahren 1983/84 vom KIB Berlin umfangreich restaurieren.

Mitte der 1990er Jahre ist das Fahrzeug in die pflegerische Obhut des Denkmalpflege-Vereins gekommen und seit Oktober 2005 ist das Fahrzeug auch im Eigentum des DVN. Seit Sommer 2005 werden Rekonstruktionsarbeiten am Fahrzeug durchgeführt, so wird u.a. auch der Innenraum farblich aufgefrischt.

Der Wagen kann auf Grund seiner Bauart und z. Zt. nicht beschaffbarer Verschleisszteile zur Zeit nicht außerhalb der Sammlung historischer Fahrzeuge in Berlin Niederschönausen gezeigt werden.

Technische Daten:
Hersteller: N.A.G. Nationale Automobil Gesellschaft
Typ: NAG 2 Doppeldeck Omnibus
Erszulassung: 29.12.1927
Motor: Hubraum 9840, Schönebecker EMaW 6-2 D, 6 Zylinder, 150 PS, Höchstgeschwindigkeit 55 km/h
(vor Umbau: NAG Protos Z 135, 4 Zylinder Viertakt-Vergaser, 52 PS)
Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung
Getriebe: Dreigang-Wechselgetriebe, unsynchronisiert, gerade verzahnt
Federung: Blattfederung
E-Anlage: 12 Volt - 2 Batterien mit je 180 Ah; Anlasser 24 V
Karosserie: Holzaufbau in Spantenbauweise mit Alu-Blech beplankt
Dachaufbau Sperrholz mit imprägnierter Leinenwand
Länge: 8.600 mm
Breite: 2.340 mm
Sitzplätze: 24 im Unterdeck und 28 im Oberdeck
Stehplätze: 9 (für Sonderfahrten nicht zugelassen)
Leergewicht: 7.000 kg
Nutzlast: 4.100 kg
Eigentümer: Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V.
Dietzgenstraße 100, 11358 Berlin
Amtliches Kennzeichen: zur Zeit nicht zugelassen