Eindeck-Linienomnibus Ikarus 66 Wagen 708
Arbeitsstand am Ikarus 66 im Herbst 2008 in Niederschönhausen.
© Foto: Marie-Christin Krumkamp
Ikarus-Busse gehörten seit Anfang der 1950er Jahre zum täglichen Straßenbild in der DDR. Diese Fahrzeuge bildeten später die wesentliche Basis für den ÖPNV. Insgesamt wurden über 33.000 Ikarus-Busse aus Ungarn gekauft.
International ist Ikarus zwar erst seit den 1950er Jahren bekannt, die ersten Buskarossen verließen jedoch schon 1924 die Werkstatt von Imre Uhry. 1949 erfolgte der Zusammenschluss mit der 1916 gegründeten Ikarus-Kühlerfabrik. Seitdem wird für die Fahrzeuge der Markenname Ikarus verwendet.
Die ab 1954 in Serie produzierten Ikarus 66 stellten seinerzeit eine international beachtete Entwicklung dar, denn selbsttragende Karosse und Heckmotor waren zu dieser Zeit keineswegs selbstverständlich. Die markante Form prägte den Spitznamen „Rakete“.
In den Jahren von 1962 bis 1966 erhielt die BVG insgesamt 90 Fahrzeuge. Die ersten Wagen waren auf dem Betriebshof Treptow stationiert und wurden mit verschlossener dritter Tür im Einmannbetrieb auf der Linie 8 E eingesetzt. Später wurden dann Zahlboxen eingebaut um das Kassieren zu erleichtern. Mit ihrer dreitürigen Ausführung trugen die Wagen wesentlich zur Beschleunigung des Betriebsablaufs bei. Der Einsatz bei der BVG endete 1974. Einige der Wagen wurden weiterverkauft. Die meisten landeten aber auf dem Schrottplatz, da die Beanspruchung im Stadtverkehr doch sehr hoch war.
Es erwies sich als äußerst schwierig, ein Exemplar dieses Typs zu beschaffen und für die Nachwelt zu erhalten. Unser Ikarus 66 konnte am 20. Dezember 1993 von der Firma Behrendt in Kloster Lehnin im Tausch gegen ein anderes Fahrzeug übernommen werden. Es handelt sich zwar um keinen „Berliner“, aber um einen dreitürigen Stadtwagen. Er wurde am 11. Juli 1968 von den Verkehrsbetrieben Brandenburg unter der Nr. 84 und dem Kennzeichen DA 46 - 11 in Betrieb genommen. Er kostete damals 145.955,– Mark. Die Wagennummer wurde 1972 in 568 geändert. Am 19. November 1986 endet der Einsatz im Personenverkehr, das Fahrzeug diente bei der Gleisbauabteilung weiter als Haltestellenwerkstattwagen. Am 17. März 1989 schied der Wagen aus dem Bestand und wurde an die LPG Groß Kreutz verkauft. Diese verkaufte den Wagen Anfang 1991 an die Firma Behrendt.
Seit 1993 ist er ständig auf Wanderschaft, so war er schon in verschiedenen Hallen abgestellt, stand immer wieder im Freien und war ab 1996 auf dem BVG-Betriebshof Indira-Gandhi-Str. abgestellt. Der Zustand hat darunter sehr gelitten und es konnten immer nur werterhaltende Maßnahmen durchgeführt werden.
Ende 2003 wurde der Wagen vom Betriebshof Indira-Gandhi-Str. zum Straßenbahnhof Nordend überführt. Kurz nachdem der Ikarus sein neues Domizil erreicht hatte, wurde sofort eine Bestandsaufnahme seiner Substanz durchgeführt. Anschließend begann die Zerlegung und die Aufarbeitung erster Baugruppen. Man kann also sagen, das mit dem Aufbau begonnen wurde.
Im Frühjahr 2005 haben wir begonnen, das Fahrzeug bei einem externen Dienstleister sandstrahlen zu lassen. Unmittelbar daran wurde mit der weiteren Aufarbeitung begonnen.
| Technische Daten: | |
| Hersteller: | Csepel-Werke, Budapest |
| Typ: | Ikarus 66.51 3-türig |
| Motor: | Csepel ED 614 145 PS |
| Kupplung: | Einscheiben-Trockenkupplung |
| Bremsen: | 4 Rad Pneumatisch, Motorauspuffbremse |
| Federung: | Blattfederung |
| E-Anlage: | 24 V, 2 × 150 Ah |
| Karosserie: | geschlossener Aufbau, selbsttragend |
| Länge: | 11.400 mm |
| Breite: | 2.500 mm |
| Höhe: | 2.850 mm |
| Sitzplätze: | 23 + 1 Schaffnerplatz |
| Stehplätze: | 46 |
| Leergewicht: | 8.600 kg |
| Nutzlast: | 6.400 kg |
| Eigentümer: | Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. Nalepastraße 215, 12459 Berlin |
| Amtliches Kennzeichen: | Zur Zeit abgemeldet |