Gelenk-Omnibus von 1971, Typ Ikarus 180.22

Ikarus 66 nach Überführung zum Betriebshof NordendEin Vertreter des Ikarus 180 im Berliner Einsatz.
© Frank Priebe

1962 testeten die BVG-Ost und weitere Verkehrsbetriebe in der DDR einen ungarischen Gelenkomnibus des Typs Ikarus 180. Ende 1966 folgten die ersten drei serienmäßigen Gelenkomnibusse in Stadtausführung. Diese Wagen waren von Beginn an für den OS-Betrieb (Ohne Schaffner, mit Zahlbox) eingerichtet. Die später beschafften Fahrzeuge dieses Typs wiesen unterschiedliche Varianten der technischen Ausstattung auf (z.B. Getriebebauarten, Farbgebung). Der größte Teil der eingesetzten Wagen (234 Stück) waren Stadtverkehrsfahrzeuge mit vier Türen und nur 35 Sitzplätzen.

Eine Besonderheit der Fahrzeuge war die relativ weit vorn angeordnete Nachläuferachse. Das Fahrzeugheck hatte daher bei Kurvenfahrt einen erheblichen seitlichen Ausschlag, was gelegentlich zu Unfällen führte.

Da außerdem die Belüftung der Fahrerkabine unzureichend war, erfreute sich dieser Fahrzeugtyp beim Fahrpersonal geringer Beliebtheit. Der hohe Stehplatzanteil und das weit herabgezogene Dach, das stehenden Personen die Sicht nach außen erschwerte, sorgte auch bei den Fahrgästen dafür, dass die Fahrzeuge wenig Anerkennung fanden. Dagegen ermöglichten die Ikarus 180 durch die viertürige Ausführung und den hohen Stehplatzanteil einen schnellen Fahrgastwechsel und damit eine Verkürzung der Reisezeiten.

Weitere 18 Wagen wurden in einer zweitürigen Version mit 53 Sitzplätzen beschafft. Diese waren für lange Linien mit großer Reiseweite und geringem Fahrgastwechsel bestimmt. Sie fanden ihr Einsatzgebiet vor allem an den Wochenenden im Ausflugsverkehr nach Zühlsdorf, Wandlitzsee und Lanke/Biesenthal, wurden aber zeitweise auch zu weiter entfernten Ausflugszielen, z.B. nach Bad Saarow, Buckow in der Märkischen Schweiz oder nach Neuruppin/ Boltenmühle, eingesetzt. Sie fuhren jedoch auch auf Innenstadtlinien im Berufsverkehr (z. B. Linien 32 E und 59).

Unser Gelenk-Omnibus von 1971
Typ Ikarus 180.22 Wagen 128

Der Überlandwagen 128 des Typs Ikarus 180.22 wurde 1971 gebaut und war bis 1978 im planmäßigen Einsatz, zuletzt unter der Nummer 481 728.

Dann erwarb der Stadtbezirk Treptow den Bus, um ihn als fahrbares Verkehrserziehungszentrum zu nutzen. 1988 endete sein Einsatz, 1989 war seine Verschrottung im Rahmen einer Feuerwehrübung vorgesehen.

Kurzfristig war es möglich, den Wagen zu übernehmen und sicherzustellen. Es handelt sich wahrscheinlich um das einzige überhaupt noch erhaltene Exemplar dieser Bauart in Deutschland. In Abhängigkeit von den finanziellen Möglichkeiten des DVN ist die Restaurierung des Wagens geplant.
Bei Führungen auf dem BVG-Betriebshof Berlin Niederschönhausen kann der Ikarus besichtigt werden.

Ikarus 66 nach Überführung zum Betriebshof NordendDer derzeitige Zustand des Fahrzeugs in Niederschönhausen.
© Foto: Thomas Fenske

Die Restaurierung des Fahrzeuges wird sehr Zeit- und Kostenintensiv. Sie dürfen uns gern materiell oder finanziell unterstützen. Danke!