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Büssing D2 Wagen 698

Büssing im Herbst 2008Der Büssing 698 im Herbst 2008.
© Foto: Marie-Christin Krumkamp

Zur Geschichte des Büssing D2

Im Jahre 1934 wurden, im Rahmen eines Arbeitsbeschaffungs­programmes der Reichsregierung, von der BVG 20 Zweiachs-Doppeldeck-Omnibusse bestellt. Hier war man aber technisch zu einem Rückwärtsschritt gezwungen, da inzwischen im Omnibusbau die Vergasermotore durch die Dieselmotor abgelöst wurden. Die gebräuchlichen Holzkarossen wurden von Stahlkonstruktion abgelöst, hier war aber meist das Oberdeck noch aus Holz. Das Problem war, dass es noch keine kleinen Dieselmotoren gab, und mit den bisher erprobten größeren Motoren und der etwas schwereren Stahlkonstruktion hätte der Wagen das für Zweiachsfahrzeuge zulässige Gesamtgewicht von 10,8 t überschritten. So entschloss man sich dann, nochmals den bewährten Maybach-Vergasermotor OS 5 zusammen mit einer Holzkarosse zu verwenden und blieb dabei mit 11,760 kg gerade noch unter der zulässigen Gewichtsgrenze. Wesentliche technische Neuerungen waren eine Zweikreisdruckluftbremse die auf vier Räder wirkte und ein geräuscharmes Getriebe der Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF).
Das Fahrgestell wurde von der BVG konstruiert und von der Firma Büssing gebaut, der Aufbau aus Holz in Spantenbauweise entstand bei der Firma Dittmann Fahrzeugbau GmbH in Berlin. Die Wagen erhielten die Betriebsnummern 680 – 699.

Von ihrer Indienststellung bis 1945 waren die Wagen je zur Hälfte auf den Betriebshöfen Weißensee und Treptow beheimatet. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war Benzin als kriegswichtiges Gut nicht mehr frei zu bekommen, und man stellte die Motoren auf Flüssiggasbetrieb um. Die hierzu benötigten 4 Gasflaschen mit je 33 kg Fassungsvermögen wurden unterhalb des Karosseriebodens montiert und reichten für 355 km Fahrstrecke.

Der Wagen 687 ging im Krieg verloren, 5 Wagen kamen 1949 nach der Verwaltungstrennung zur BVG-West. Die 14 bei der BVG-Ost verbliebenen Wagen erhielten ab 1954 Dieselmotore vom Typ EM a W 6-20. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Kästen zur Beschilderung mit Liniennummer in die rechte Hälfte der Oberdeckstirnwand verlegt. Die Fahrzeuge wurden 1959 außer Dienst gestellt. Nach ihrer Ausmusterung entstanden aus ihnen Arbeits- und Hilfsgerätewagen.

An den Erhalt eines Museumsfahrzeuges dachte damals niemand, aber das Schicksal ließ die Geschichte hier doch noch nicht enden.
Der Wagen 698 kam zunächst zum Zentralhaus der Jungen Pioniere, später dann zur DEFA. Auf diese Weise entging er dem Schneidbrenner und konnte so in den Jahren 1985/87 als Museumsfahrzeug restauriert werden.

Stationen des Büssing Nr. 698

Die Ausmusterung des Fahrzeugs 698 aus dem Bestand der BVG-Ost erfolgte am 20.04.1959. Es erfolgte die Abgabe an das Zentralhaus der Jungen Pioniere in Berlin und ein Umbau zum mobilen Filmvorführwagen. Mitte der 1960er Jahre übernahm die DEFA diesen Wagen in ihren Fundus und bemühte sich um den Rückbau des Fahrzeugs zum Berliner Doppeldecker, allerdings mit minimalem Aufwand an Originalität. Auf Grund fehlender überdachter Unterstellmöglichkeiten und durch Witterungseinflüsse verschlechterte sich sein Zustand weiter.

Bilder vor der Bergung des Büssing D2

© Foto: Archiv DVN

In Abstimmung mit der DEFA, dem Märkischen Museum, dem KIB und dem DMV-AG Verkehrsgeschichte wurde eine umfassende Restaurierung ins Auge gefasst, nachdem bereits Erfahrungen mit den Wiederaufbau des historischen Omnibusse vom Typ NAG D-2 vorlagen. Das Märkische Museum übernahm diesen Bus in Rechtsträgerschaft.

Die Restaurierung begann im September 1985 im KIB Berlin, mit dem Ziel der betriebsfähigen Übergabe zum 750-jährigen Stadtjubiläum. Es wurde der Bauzustand des Jahres 1954 angestrebt, da wesentliche Teile vom Lieferzustand durch zahlreiche Umbauten bereits unwiederbringlich verloren waren.
Nach mühevoller Kleinarbeit wurde die Restaurierung im April 1987 abgeschlossen. Somit konnte die Entwicklung und der Betrieb von 2-achsigen Doppeldeck-Omnibussen in Berlin der Jahre 1927 - 1959 lückenlos dokumentiert werden .

Am 03. Mai 1987 erfolgte die erste öffentliche Vorstellung dieses Wagens. Zum Festumzug „750 Jahre Berlin“ nahm der Wagen Nr. 698 im Erscheinungsbild der 1930er Jahre teil. Das Fahrzeug verblieb danach im Bestand des Märkischen Museums .
Mitglieder des Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. übernahmen den Einsatz dieses Fahrzeuges, wobei die Rechtsträgerschaft beim Museum verblieb.
Per 28.09.2005 wurde das Fahrzeug vom Berliner Stadtmuseums (vormals Märkisches Museum) dem DVN überlassen.
Das Fahrzeug kann zusammen mit dem NAG bei Führungen auf dem BVG-Betriebshof Berlin Niederschönhausen besichtigt werden.
Während der NAG auf absehbare Zeit nicht außerhalb dieser Hallen zu sehen sein wird, bekam der Büssing 698 vom 10.06.2005 bis 15.01.2007 eine Komplettinstandsetzungen und erscheint jetzt auch im Originallack der BVG-Ost in den 1950er Jahren.

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