Doppeldeck-Omnibus Do56 Wagen 010
Do 56 im Oktober 2000 auf dem Betriebshof Niederschönhausen.
© Foto: Holger Schöne
Der Do 56 ist eine Weiterentwicklung des DO 54, der 1953 beim VEB Waggonbau Bautzen in Zusammenarbeit mit der Hauptwerkstatt Omnibus der BVG Ost in Berlin Treptow entstanden ist. Die BVG-Ost beschaffte zwischen 1957 und 1959 insgesamt 105 Fahrzeuge von diesem Typ. Wesentliches Merkmal dieser in Bautzen gebauten Fahrzeug war der neuartige Stahlaufbau, der den überalterten Holzaufbau des Do 54 ablöste, sowie die gebogenen Scheiben im Frontbereich.
Ab 1963 wurden die bis dahin offenen hinteren Einstiege durch Falttüren verschlossen. Außer in Berlin waren diese Fahrzeug auch in Magdeburg, Rostock, Leipzig, Dessau, Merseburg, Stralsund, Hoyerswerda und Zwickau, wenn auch nur in geringer Stückzahlen im Einsatz.
Der Wagen 010 wurde am 8. Dezember geliefert und am 11. Dezember auf das Kennzeichen IF 56-46 zugelassen.
Als Anfang der siebziger Jahre die D0 56 ausgemustert wurden, hatte der Wagen 010 nach seinen letzten Planeinsatz im Dezember 1973 das Glück, als historischer Wagen hinterstellt und im fahrbereitem Zustand gehalten zu werden.
Er wurde im August 1978 als technisches Denkmal in die Bezirksdenkmalliste aufgenommen. Dies war mit Sicherheit eine der wichtigsten Entscheidungen im „Leben“ des Wagens 010. Wer weiß, in welchen Garten er sonst heute eventuell stehen würde?
1974 bekam Wagen 010 das jetzt bei der BVB übliche Kennzeichen mit der Anfangskennung IAK. Nur kurze Zeit lautete nun sein Kennzeichen IAK 0-00, welches später in IAK 1-00 geändert wurde. Die innerbetriebliche Nummer lautete 671.
Bis zur Schließung im Dezember 1992 war der Wagen auf dem Betriebshof Treptow beheimatet, anschließend wurde er dem Betriebshof Helmholtzstraße und dort speziell der Omnibusvermietung zugeordnet. Dort erhielt er auch sein neues Kennzeichen B-V 2071.
Auf Grund des Ersatzteilmangels wurde der Wagen im Juni 1995 auf dem Gelände der Hauptwerkstatt in der Uferstraße abgestellt. Es wurde die Idee geboren den Standard des Wagens zu verbessern. Man wollte einen MAN-Motor mit Automatikgetriebe, eine neue Bremsanlage sowie eine Bordsprechanlage einbauen. Dieser Plan wurde aber aus Kostengründen verworfen und der Wagen wurde wieder abgestellt. Motor, Getriebe und die Bremsanlage wurden demontiert. Diese Baugruppen sollten als Ersatzteile für den baugleichen Wagen B-V 2072 (ex 088) zurückgestellt werden und der Wagen B-V 2071 (ex 010) stand nun zum Verkauf.
„Reaktivierung“ zum Historischen Bus
Nach langen Verhandlungen konnte der DVN den Wagen B-V 2071 im März 1997 von der BVG käuflich erwerben und rettete diesen historischen Bus vor einem jämmerlichen Dasein als Würstchenbude. Die AG Omnibus die sich erst im April 1996 gegründet hatte, wollte den Wagen (jetzt wieder 010) unbedingt neues Leben einhauchen, denn er sollte beim Festumzug „150 Jahre Omnibus in Berlin", den die BVG in Zusammenarbeit mit dem DVN organisierte, auf jeden Fall aus eigener Kraft mitfahren. Eigentlich ein Vorhaben das relativ ,„normal" ist, wenn da nicht der Termin am 1. Juni 1997 gewesen wäre.
Glücklicherweise verfügt die AG Omnibus nicht nur über Omnibusfahrer die ihr Handwerk (Bus fahren) verstehen, sondern auch solche, die handwerklich begabt sind und auch gut organisieren und improvisieren können.
Es wurde ein alter LKW Typ G 5 gefunden, von dem der Motor und das Getriebe verwendet werden konnte, da er über baugleiche Teile verfügt. Als Gegenleistung musste der DVN den LKW umweltgerecht entsorgen. Der BVG Betriebshof Indira-Gandhi-Straße unterstützte uns mit Rat und Tat. So wurde uns ein Arbeitsplatz (Grube), sowie das nötige Werkzeug zur Verfügung gestellt. Nicht vergessen möchten wir die Kollegen aus der Werkstatt, die mehr als einmal mit guten Ratschlägen geholfen haben.
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Nachdem der Motor an seinen Platz war, trat das erste Problem auf: Wir hatten nicht die passenden Bolzen um den Motor zu befestigen. Im Land der Baumärkte waren diese nicht zu bekommen und im Schraubenfachhandel nur auf Bestellung und erst ab 50 Stück. Die Zeit drängte, da es nur noch zwei Tage waren bis zum Festumzug. Hilfe kam aus Spandau von der Firma MAN, die nicht nur innerhalb kürzester Zeit die Schrauben besorgen konnten, sondern selbige auch anschließend gesponsert hat.
Am Freitag, einen Tag vor dem Festumzug fand der erste Probelauf statt und alle waren vom Wohlklang des Motors beeindruckt, bis plötzlich zwei der drei Keilriemen rissen. Wie die begossenen Pudel standen sie da, die Männer, die sich doch fest vorgenommen hatten, diesen Do 56 zum Laufen zu bringen. Woher jetzt neue Keilriemen bekommen? Autoteileläden und LKW-Werkstätten wurden systematisch abgearbeitet. Der fünfte Versuch war dann doch erfolgreich und der Do konnte seine ersten Runden auf dem Betriebshof drehen.
Rechtzeitig zum Festumzug war der Do 56 fahrbereit und konnte zusammen mit ca. 50 weiteren historischen Bussen durch das berühmte Brandenburger Tor fahren.
Zwischen 1997 und 2003 wurde der Wagen in Zusammenarbeit zwischen dem DVN und der BVG zu vielen Veranstaltungen gezeigt. Der Wagen wurde für eine grundlegende Instandsetzung abgestellt, da er diese in seiner nun über 30 jährigen Geschichte als historischer Wagen bisher nicht bekommen hat.
Zur Zeit ist das Fahrzeug nicht zugelassen.
| Technische Daten: | |
| Hersteller: | VEB Waggonbau Bautzen |
| Typ: | Doppeldeck-Omnibus Do 56 |
| Baujahr: | 1957 |
| Fahrgestell-Nummer: | 57 / 010 |
| Motor: | EMaW 6-20 Schönebeck 4-Takt-Diesel - 6 Zylinder Reihe - wassergekühlt - 150 PS - Hubraum 9,840 l |
| Kupplung: | Einscheiben - Trockenkupplung |
| Getriebe: | 5 Gang Wechselgetriebe - unsynchronisiert |
| Bremsen: | 2 Kreis Druckluft |
| Federung: | Blattfederung |
| E-Anlage: | 12 Volt - 2 Batterien mit je 180 Ah; Anlasser 24 V - beide Batterien kurzzeitig in Reihe geschaltet |
| Karosserie: | Stahlaufbau; Äußere Verkleidung aus Tiefziehblech gefertigt, am Oberdeck Aluminiumblech |
| Länge: | 10.005 mm |
| Breite: | 2.550 mm |
| Leermasse: | 10.370 kg |
| Nutzlast: | 4.550 kg |
| Sitz- / Stehplätze: | oben 28/– unten 24 Stehplätze unten: 10 |
| Eigentümer: | Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. Nalepastraße 215, 12459 Berlin |
| Amtliches Kennzeichen: | zur Zeit abgemeldet |